Vom Verschrotter zum Retter Italiens, das kann man eine Karriere nennen. Die italienische Presse mag Renzi und umgekehrt stimmt es auch. Es ist zum gegenseitigen Nutzen, denn irgendwann soll doch einmal Schluss sein mit den ewig gleichen Gesichtern. Die Gestalter von Zeitungen, meist jüngere Leute oder die sich dafür halten, wollen junge Menschen in Szene setzen. Renzi ist medienwirksam, vielleicht sogar fotogen, hat auf alle Fälle ein interessantes Gesicht. Man schaut hin.
Giovanni di Lorenzo (Die Zeit) hat ein Interview mit ihm geführt, das von der Vanity Fair oder später von der Zeit zweitverwertet wurde.
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| Erst- oder Zweitverwertung in der Die Zeit Ausgabe 48/2013 |
Wen die deutsche Fassung des Interviews interessiert, verfolge den Link.
Wenn es nach Renzi geht, dann soll er am 8.12. mit wenigstens 51% zum Sekretär des PD gewählt werden. Spätestens am Montag danach soll es zum Treffen mit seinen Getreuen kommen, denn am 11.12. wird Letta die Vertrauensfrage in den Kammern stellen und ein Aktionsplan soll bis dahin stehen.
In den Prognosen ist der Abstand zu seinen Mitbewerbern Civati und Cuperlo ist groß. Damit geht Renzi als Favorit in die Wahl. Drei wichtige Punkte stehen ganz oben auf seinem Programm, mit dem die Regierung der großen Koalition (aus der Berlusconi ja ausgeschieden ist) einheizen möchte und muss, wenn Grillo nicht weitere Stimmen zufallen sollen. Es geht ihm um ein neues Wahlgesetz, Abschaffung des Senats und Eindämmung der Kosten für die Politik. Renzi wird mit allen sprechen, die eine Rolle spielen im politischen Leben von Italien, so auch mit den mächtigen Gewerkschaften.
Für den 8.12. müssen die Wähler aktiviert werden, denn nur eine hohe Wahlbeteiligung kann die absolute Mehrheit für Renzi sichern. Hat er diese Mehrheit, dann muss er keine Kompromisse mit seinen Kontrahenten eingehen.
Politische Mitstreiter trauen ihm eine Festigung der Position des PD zu. Sein Elan und seine Persönlichkeit sind seine Stärken. Hinzu kommt seine Erfahrung als Bürgermeister, der auf kommunaler Ebene so manches Projekt angeschoben und durchgesetzt hat.
Seine Kontrahenten im PD werden alles tun, damit er die 50% Hürde nicht überwindet.