Montag, 23. Dezember 2013

Nicht mehr Sindaco, sondern Segretario

Wenn ein Politiker in Italien in der Öffentlichkeit steht, dann wird er bei seinem Namen, aber oft auch seiner Funktion genannt. Renzi ist Renzi. Aber bei Che tempo che fa ist er nicht mehr der Sindaco, sondern der Segretario, nach dem Prinzip Unter sticht Ober.

"Il segretario" bei Che tempo che fa - 22.11.2013

Voller Engagement spricht er wichtige Punkte an: die Kosten der Politik und wie sie reduziert werden können. Warum er nach Kampanien zu den illegalen Mülldeponien, nach Lampedusa in das Auffanglager für Bootsflüchtlinge gereist ist. Er gibt der Schule einen großen Stellenwert, vor allem den Schülern in der Mittelstufe. Er nennt konkrete Maßnahmen und hat keine Berührungsängste, gute Ideen anderer Parteien zu diskutieren wie die Kritik der 5-Stelle-Politiker an den "goldenen" Mieten für Politikerbüros in Rom.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Renzi's Auftritt als Sekretär des PD

In Mailand hatte Renzi seinen großen Auftritt. Er macht klare Ansagen.

Es ist schon mutig wie er Grillo herausfordert: mach' mit und sei kein Schwätzer, kein Buffone. Ein Gepräch mit dem Cavaliere ist geplant. Alfano, Chef des Nuovo Centro Destro, weckt den Bürgersinn der Italiener, indem er für gut geschützte Grenzen eintritt, die Ausländern die Einreise erschweren. Alfano unterstreicht, in Verkennung der Lage, dass sein Gesprächspartner Letta ist. Die Einheit des PD scheint vorerst das Ziel von Renzi zu sein. Klug. Schon wird Renzi mit Blair verglichen. Garnicht so abwegig. Sie haben sich ja schon oft genug in der Toscana getroffen. Blair hat ihm sicherlich schon wertvolle Tips gegeben.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Wahlen zum Vorsitzenden des PD

Matteo Renzi scheint es geschafft zu haben. Zirka 70% der ungefähr 3 Millionen Stimmen, die heute bei den Wahlen zum PD-Vorsitzenden abgegeben wurden, konnte er auf sich vereinen. Unglaublich. In der Politik wird eine Generation übersprungen. Es fehlen die 50jährigen, die 40jährigen machen das Rennen.

Stand 8.12.2013 um 22:00 Uhr
In Kiev fällt die Lenin_Statue auf den Bessarabskaya Square. In Italien wird Renzi die linke Partei anvertraut.
Das Video ist von schlechter Qualität, aber zeigt, dass dies eine geplante Aktion war, die länger als eine halbe Stunde dauerte. Von der Miliz nichts zu sehen. Die Aktivisten waren alle vermummt. Dann hört man Sprechchöre: Revoluzija, Revoluzija, Revoluzija und der Vater aller modernen politischen Revolutionen wird vom Mob gestürzt - Lenin, den die Ukrainer nie mochten. Dann werden nationalistische Lieder gesungen. Und Merkel stützt den Boxer = Boxer-Aufstand. Was soll das?
Die Welt ändert sich, wann wird das Mausoleum auf dem Roten Platz geräumt?

Dienstag, 3. Dezember 2013

Matteo Renzi der Retter Italiens

Vom Verschrotter zum Retter Italiens, das kann man eine Karriere nennen. Die italienische Presse mag Renzi und umgekehrt stimmt es auch. Es ist zum gegenseitigen Nutzen, denn irgendwann soll doch einmal Schluss sein mit den ewig gleichen Gesichtern. Die Gestalter von Zeitungen, meist jüngere Leute oder die sich dafür halten, wollen junge Menschen in Szene setzen. Renzi ist medienwirksam, vielleicht sogar fotogen, hat auf alle Fälle ein interessantes Gesicht. Man schaut hin.
Giovanni di Lorenzo (Die Zeit) hat ein Interview mit ihm geführt, das von der Vanity Fair oder später von der Zeit zweitverwertet wurde.

Erst- oder Zweitverwertung in der Die Zeit Ausgabe 48/2013
Wen die deutsche Fassung des Interviews interessiert, verfolge den Link.
Wenn es nach Renzi geht, dann soll er am 8.12. mit wenigstens 51% zum Sekretär des PD gewählt werden. Spätestens am Montag danach soll es zum Treffen mit seinen Getreuen kommen, denn am 11.12. wird Letta die Vertrauensfrage in den Kammern stellen und ein Aktionsplan soll bis dahin stehen.
In den Prognosen ist der Abstand zu seinen Mitbewerbern Civati und Cuperlo ist groß. Damit geht Renzi als Favorit in die Wahl. Drei wichtige Punkte stehen ganz oben auf seinem Programm, mit dem die Regierung der großen Koalition (aus der Berlusconi ja ausgeschieden ist) einheizen möchte und muss, wenn Grillo nicht weitere Stimmen zufallen sollen. Es geht ihm um ein neues Wahlgesetz, Abschaffung des Senats und Eindämmung der Kosten für die Politik. Renzi wird mit allen sprechen, die eine Rolle spielen im politischen Leben von Italien, so auch mit den mächtigen Gewerkschaften.
Für den 8.12. müssen die Wähler aktiviert werden, denn nur eine hohe Wahlbeteiligung kann die absolute Mehrheit für Renzi sichern. Hat er diese Mehrheit, dann muss er keine Kompromisse mit seinen Kontrahenten eingehen.
Politische Mitstreiter trauen ihm eine Festigung der Position des PD zu. Sein Elan und seine Persönlichkeit sind seine Stärken. Hinzu kommt seine Erfahrung als Bürgermeister, der auf kommunaler Ebene so manches Projekt angeschoben und durchgesetzt hat.
Seine Kontrahenten im PD werden alles tun, damit er die 50% Hürde nicht überwindet.