Dienstag, 23. Juli 2013

Renzi auf dem Fahrrad

Man weiß, dass Italien verschuldet ist, aber im Zusammenhang mit Renzi's Besuch bei Angela Merkel, wird es interessant. Die 130 Prozent Schuldenquote der Italiener beunruhigt die Spezialisten. Sie ist die Zweithöchste wie die Süddeutsche heute schreibt. Der Corriere dramatisiert nicht. IMU und IVA werden diskutiert und die Sommerpause steht vor der Tür.

Strukturreformen kommen nicht voran. Wie heißt es unten: IMU Reform: Die Regierung wartet auf Vorschläge von PD und PdL. Es tut sich seit Monaten nichts. Die Kanzlerin tut recht daran, nach Alternativen zu schauen. Wenigstens scheint Renzi jemand zu sein, der etwas tut will.

Auch der Corriere sieht die Dramatik der Situation
Die obere Graphik zeigt die Verspätung von Zahlungen der öffentlichen Verwaltung im Verhältnis zu den vertraglichen Vereinbarungen. Der zweite Graph zeigt die hohe Verschuldung Italiens. Die drittgrößte Wirtschaft Europas kommt Griechenland immer näher. Dann wird es gefährlich.
Zurecht mahnt Renzi seit Monaten Aktionen an, aber nichts passiert. Erst kürzlich wurde Alfano (PdL) vor einem Rücktritt gerettet, nur um Neuwahlen zu vermeiden und endlich aus dieser Zwickmühle herauszukommen. Auweia.

Und dann passiert etwas wie in Cardano al Campo, wo ein abgedrehter ehemaliger Stadtpolizist, der zurecht wegen Betrugs entlassen worden war, die Bürgermeisterin mit einer Pistole so schwer verletzt, dass sie zirka drei Wochen später für tot erklärt werden muss.
Unglaublich. Sie wurde am 2. Juli angeschossen
Da wundert es mich nur, dass der Bürgermeister von Florenz Matteo Renzi so freimütig durch die Gegend radelt und sogar ohne Fahrradhelm. Matteo sei vorsichtig. Es gibt immer Neider und Unzufriedene.

Links Renzi auf dem Fahrrad, ohne Helm
Der Sreenshot aus Renzis Facebook Seite zeigt ihn stolz ohne Helm auf einem Fahrradweg in Florenz. Das, kombiniert mit den kleinen Abflüssen am Rand der Fahrbahn, scheint mir doch ziemlich riskant, ebenso die Bordsteinkante links. 








Montag, 22. Juli 2013

Matteo Renzi bei Bersaglio Mobile und Massimo D'Alema

Matteo Renzi wird ganz schön in die Zange genommen bei diesem Interview, an dem Mentana (La7), Travaglio (Il Fatto quotidiano) und Damilano (Espresso) teilnehmen. Doch Matteo ist schwer zu packen. Natürlich tauchen Themen wie Kandidatur als Sekretär des PD oder als Premier sowie seine Reise nach Berlin auf.

Matteo Renzi unterstreicht, dass er durchaus nach Berlin fährt, zumal ein wichtiges Florentiner Unternehmen eine starke Präsenz in Deutschland hat. Renzi signalisiert der Merkel, dass er anders als Berlusconi denkt, weil er die Probleme Italiens nicht von Deutschland verursacht sieht.

D'Alema spricht positiv über Renzi. Er hält ihn für einen italienischen Politiker, der viele verschiedene Strömungen integrieren kann. Renzi ist für ihn ein wichtiges Asset des PD. Man denke an seine 38 Jahre. Und manchmal, so meint D'Alema müsste man Renzi vor sich selbst schützen.

Alles natürlich mit einem Augenzwinkern wie das in der italienischen Politik so üblich ist.

D'Alema bei einem Kurzinterview - Renzi in der Sendung Bersaglio Mobile - 18.7.2013
Als D'Alema ihm den Rat gibt, nicht als Sekretär des PD zu kandidieren, schauen alle verständnisvoll. D'Alema ist Süditaliener und skeptisch, dass ein PD-Sekretär die Parlamentswahlen auf eine Weise gewinnen kann, dass der PD ohne die Zwänge der gegenwärtigen Koalition regiert. Zu viele Versuche sind schon gescheitert in der Vergangenheit.

Matteo Renzi war in Berlin und traf Angela Merkel

Hier nun der visuelle Beleg dafür, dass Matteo Renzi in Berlin war und die Bundeskanzlerin getroffen hat. Am 20.7. hat dann der Corriere doch noch ein paar Details über den Besuch von Renzi in Berlin rausgerückt. Sicherlich hat man in Berlin nicht erwartet, dass diese Stipvisite des Bürgermeisters von Florenz solchen Staub in Italien aufwirbelt.

Der Bundeskanzlerin hat ihn eingeladen. Jetzt ist es raus und bezog sich auf die Pressemitteilung, die auch hier im Blog zitiert wurde. Der Besuch wird also heruntergespielt und als Kennlernvisite bezeichnet.


Hübsches Bild - Quelle: Corriere della Sera 20.7.2013
Es wird politisch korrekt der gegenwärtige Ministerpräsidend Letta gelobt, zu dem die Kanzlerin einen guten Draht haben will, sicherlich besser als zum alten Cavaliere (der wohl nun endgültig in der Versenkung verschwunden ist).

Es ist wohl klar, dass es nicht schaden kann, wenn man in Deutschland auch ein paar jüngere italienische Politiker mit Potential kennt. Die alte Politiker-Riege ist bekannt, man hat Dossiers. Es ist gut, dass die Kanzlerin Renzi eingeladen hat, um jemand Neues mit Einfluss in Italien treffen. Man weiß ja nie, was passiert, vielleicht wird es doch noch eine linksgerichtete christliche Partei in Italien geben - Veltroni läßt grüßen - und dann wären Herr Renzi und Frau Merkel wieder auf der gleichen Seite.

Kompliment für ihr politisches Geschick und den Riecher, wie auch immer dieser Besuch zustande gekommen ist. Wer mehr über Renzi wissen möchte, der kann sich ja das Buch leisten, von ihm geschrieben und in Deutsch auf dem Markt. Alles, was drin steht, findet sich in irgendeiner Form in dem wieder, was Renzi heute sagt und tut. Er ist ziemlich koherent, wenigstens bis jetzt. Matteo Renzi: Raus - Politik mit offenem Visier

Montag, 15. Juli 2013

Matteo Renzi und Merkel

War Renzi nun in Berlin oder nicht? Laut Corriere della Sera vom 15.7. war er letzte Woche hier. Im Bundeskanzleramt? Die Zeitung bildet sogar einen Hinweis aus den Tweets von Regierungssprecher Seibert ab.

Schlecht lesbar, deshalb Rückübersetzung: "Die Kanzlerin hat mit Herrn Renzi darüber gesprochen, was Europa für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung tun muss" - Corriere della Sera, 15.7.2013
Kann den Tweet bei Steffen Seibert nicht mehr finden.

Beschäftigung ist gerade das Top-Thema in Europa. Der Mittelstand ist gefragt und so besuchte die Kanzlerin auch Miele in der vergangen Woche, verwies auf eine frühere DDR-Erfahrung mit einem Miele Staubsauger und damit, dass ihr Vater bei Miele als Theologiestudent arbeitete, um etwas zu seinem Studium dazu zu verdienen. Dann noch ein Besuch am Montag letzter Woche bei General Electrics, die den Grundstein zum Bau eines neuen Trainingszentrums für Mitarbeiter und Kunden gelegt haben. In Florenz gibt es das Florence Learning Centre von GE. Und schon könnte man eine Verbindung zum Bürgermeister von Florenz, Renzi, vermuten.

Dass Merkel durchaus darauf achtet, was der 38jährige Bürgermeister über Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung sagt kommt auch in folgender Wertschätzung zum Ausdruck, die sich auf Beseitigung von bürokratischen Hürden bezieht.


Huch, da gibt es frühzeitig Berührungspunkte. Gerade war Letta als italienischer Ministerpräsident gewählt und Renzi hatte ihm ein "In bocca al lupo" gewünscht.

Sonntag, 14. Juli 2013

Matteo Renzi in Berlin, 11.Juli 2013

Matteo Renzi macht sich auf den Weg seinen Bekanntheitsgrad in den großen europäischen Nationen zu erhöhen. Er besucht einflussreiche Staatschefs Europa. Erste Station war laut Corriere della Sera am Donnerstag wohl Berlin, wo er Kanzlerin Merkel getroffen haben soll. Die deutsche Presse schweigt, die italienische bauscht wieder alles auf. Ferienzeit in Berlin, Sommerloch in Italien. Mehr Zeit für Besucher. Der Regierungschef Italiens, Enrico Letta, war angeblich informiert. Es sollen Paris und London folgen.

Der Corriere della Sera titelt am 14.7.: Renzi stellt sich führenden Politikern in Europa vor. Donnerstag geheimes Gipfeltreffen mit Merkel
Am Donnerstag hat Renzi in der Nähe des Flughafen Peretola ein Treffen in einer Hochschule abgehalten, ist schnell wieder verschwunden, ohne die Journalisten zu informieren wohin. Wollte er am Donnerstag den Direktflug der Vueling nach Berlin um 13:45 bekommen?