Die Papstwahl ging doch ziemlich fix. Francesco I. sieht freundlich aus und soll sehr bescheiden sein. Ein bißchen alt könnte man einwenden, aber wann gab es schon einmal einen jungen Papst. Das Alter des Papstes ist sicherlich kein Thema für unseren Rottamatore Renzi.
Er ist bekennender Katholik und links. Er steht damit in der italienischen Tradition, dass sich Unvereinbares vereinen läßt, siehe Don Camillo und Peppone. In der Politik laviert er im Augenblick etwas, er will sich nicht selbst beschädigen. Wiederholt sein Mantra, dass eine Kandidatur erst nach dem Sieg neuer Vorwahlen in Fragae kommt. Er zeigt sich, ohne dem Vorsitzenden Bersani in den Rücken zu fallen. Er macht bekannte Vorschläge, die auch schon in der Vergangenheit die Parteileitung herausgefordert haben. Die Bürgerdemokratie eines losen Bündnisses kann man nur mit ihren eigenen Themen herausfordern, die von Kritikern in der Partei auch schon früher angesprochen wurden, wenn auch leiser, weil es ja auch eine "Parteidisziplin" gibt. Bei den Vorwahlen hatte Renzi Widersacher, die ihn in der jetztigen Situation als Retter des Linksbündnisses sehen. Renzi bleibt seinen Prinzipien: Vorwahlen gewinnen, klare Mehrheiten ohne riskante Bündnispartner, "Verschrottung". Doch ein neuer Unterton kommt in einem kürzlichen Espresso-Interview ins Spiel: Bürgermeister von Italien.
Sollte Bersani mit einer Regierungsbildung scheitern, dann könnten Neuwahlen anstehen. Bei eventuellen Vorwahlen der PD könnte Renzi antreten. Wenn man die Diskussionen in der Presse wie Corriere della Sera oder im Fernsehen, öffentlich wie privat, verfolgt, dann hat man den Eindruck, dass die Journalisten immer die gleichen Fragen stellen, nur um dem Gesprächspartner das neueste Bekenntnis zu entlocken. Dann wird eine Titelzeile formuliert, die manchmal im Widerspruch zu dem steht, was gesagt wurde. Das kann zur Demontage von Politikern beitragen, gilt Journalisten aber als Pressefreiheit, weil man glaubt, objektiv zu sein. Deshalb bevorzugt Grillo im Moment das Gespräch mit ausländischen Journalisten, zum Beispiel denen des Handelsblatts.
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| So klingt Grillo in Deutschland |
So wie in manchen italienischen Fernsehsendern am Wochenende im Bezahlfernsehen gezeigte Fussballspiele kommentiert werden, ohne dass der Zuschauer die Spiele sieht, sondern nur die Kommentatoren, so werden sich die italienischen Journalisten auch mit fehlendem oder verkleidetem Grillo arrangieren. Alles im Interesse der Information.
Es wird behauptet, dass Renzi an einem politischen Programm arbeitet, das der politischen Lage in Italien Rechnung trägt und Lösungen für Herausforderungen wie Konflikte innerhalb der PD, Grillo und die PD, Wahlkampferstattung, Vorwahlen usw. anbieten soll. Im Espresso klingt es erst einmal danach, dass er bereit sei.
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| Renzi: Ich bin bereit |
Im folgenden Blog, kommt der lapidare Kommentar von francesco55: "Te sei pronto, ma io ancora non sono pronto a darti il voto!" Du bist bereit, aber ich bin noch nicht bereit, dir meine Stimme zu geben. Das scheint noch ein ziemlich steiniger Weg zu werden.