Montag, 23. Dezember 2013

Nicht mehr Sindaco, sondern Segretario

Wenn ein Politiker in Italien in der Öffentlichkeit steht, dann wird er bei seinem Namen, aber oft auch seiner Funktion genannt. Renzi ist Renzi. Aber bei Che tempo che fa ist er nicht mehr der Sindaco, sondern der Segretario, nach dem Prinzip Unter sticht Ober.

"Il segretario" bei Che tempo che fa - 22.11.2013

Voller Engagement spricht er wichtige Punkte an: die Kosten der Politik und wie sie reduziert werden können. Warum er nach Kampanien zu den illegalen Mülldeponien, nach Lampedusa in das Auffanglager für Bootsflüchtlinge gereist ist. Er gibt der Schule einen großen Stellenwert, vor allem den Schülern in der Mittelstufe. Er nennt konkrete Maßnahmen und hat keine Berührungsängste, gute Ideen anderer Parteien zu diskutieren wie die Kritik der 5-Stelle-Politiker an den "goldenen" Mieten für Politikerbüros in Rom.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Renzi's Auftritt als Sekretär des PD

In Mailand hatte Renzi seinen großen Auftritt. Er macht klare Ansagen.

Es ist schon mutig wie er Grillo herausfordert: mach' mit und sei kein Schwätzer, kein Buffone. Ein Gepräch mit dem Cavaliere ist geplant. Alfano, Chef des Nuovo Centro Destro, weckt den Bürgersinn der Italiener, indem er für gut geschützte Grenzen eintritt, die Ausländern die Einreise erschweren. Alfano unterstreicht, in Verkennung der Lage, dass sein Gesprächspartner Letta ist. Die Einheit des PD scheint vorerst das Ziel von Renzi zu sein. Klug. Schon wird Renzi mit Blair verglichen. Garnicht so abwegig. Sie haben sich ja schon oft genug in der Toscana getroffen. Blair hat ihm sicherlich schon wertvolle Tips gegeben.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Wahlen zum Vorsitzenden des PD

Matteo Renzi scheint es geschafft zu haben. Zirka 70% der ungefähr 3 Millionen Stimmen, die heute bei den Wahlen zum PD-Vorsitzenden abgegeben wurden, konnte er auf sich vereinen. Unglaublich. In der Politik wird eine Generation übersprungen. Es fehlen die 50jährigen, die 40jährigen machen das Rennen.

Stand 8.12.2013 um 22:00 Uhr
In Kiev fällt die Lenin_Statue auf den Bessarabskaya Square. In Italien wird Renzi die linke Partei anvertraut.
Das Video ist von schlechter Qualität, aber zeigt, dass dies eine geplante Aktion war, die länger als eine halbe Stunde dauerte. Von der Miliz nichts zu sehen. Die Aktivisten waren alle vermummt. Dann hört man Sprechchöre: Revoluzija, Revoluzija, Revoluzija und der Vater aller modernen politischen Revolutionen wird vom Mob gestürzt - Lenin, den die Ukrainer nie mochten. Dann werden nationalistische Lieder gesungen. Und Merkel stützt den Boxer = Boxer-Aufstand. Was soll das?
Die Welt ändert sich, wann wird das Mausoleum auf dem Roten Platz geräumt?

Dienstag, 3. Dezember 2013

Matteo Renzi der Retter Italiens

Vom Verschrotter zum Retter Italiens, das kann man eine Karriere nennen. Die italienische Presse mag Renzi und umgekehrt stimmt es auch. Es ist zum gegenseitigen Nutzen, denn irgendwann soll doch einmal Schluss sein mit den ewig gleichen Gesichtern. Die Gestalter von Zeitungen, meist jüngere Leute oder die sich dafür halten, wollen junge Menschen in Szene setzen. Renzi ist medienwirksam, vielleicht sogar fotogen, hat auf alle Fälle ein interessantes Gesicht. Man schaut hin.
Giovanni di Lorenzo (Die Zeit) hat ein Interview mit ihm geführt, das von der Vanity Fair oder später von der Zeit zweitverwertet wurde.

Erst- oder Zweitverwertung in der Die Zeit Ausgabe 48/2013
Wen die deutsche Fassung des Interviews interessiert, verfolge den Link.
Wenn es nach Renzi geht, dann soll er am 8.12. mit wenigstens 51% zum Sekretär des PD gewählt werden. Spätestens am Montag danach soll es zum Treffen mit seinen Getreuen kommen, denn am 11.12. wird Letta die Vertrauensfrage in den Kammern stellen und ein Aktionsplan soll bis dahin stehen.
In den Prognosen ist der Abstand zu seinen Mitbewerbern Civati und Cuperlo ist groß. Damit geht Renzi als Favorit in die Wahl. Drei wichtige Punkte stehen ganz oben auf seinem Programm, mit dem die Regierung der großen Koalition (aus der Berlusconi ja ausgeschieden ist) einheizen möchte und muss, wenn Grillo nicht weitere Stimmen zufallen sollen. Es geht ihm um ein neues Wahlgesetz, Abschaffung des Senats und Eindämmung der Kosten für die Politik. Renzi wird mit allen sprechen, die eine Rolle spielen im politischen Leben von Italien, so auch mit den mächtigen Gewerkschaften.
Für den 8.12. müssen die Wähler aktiviert werden, denn nur eine hohe Wahlbeteiligung kann die absolute Mehrheit für Renzi sichern. Hat er diese Mehrheit, dann muss er keine Kompromisse mit seinen Kontrahenten eingehen.
Politische Mitstreiter trauen ihm eine Festigung der Position des PD zu. Sein Elan und seine Persönlichkeit sind seine Stärken. Hinzu kommt seine Erfahrung als Bürgermeister, der auf kommunaler Ebene so manches Projekt angeschoben und durchgesetzt hat.
Seine Kontrahenten im PD werden alles tun, damit er die 50% Hürde nicht überwindet.

Montag, 18. November 2013

Renzi gewinnt die Vorwahlen in den Parteizirkeln

Bei Fazio gestern abend, in der Sendung auf RAI 3 "Che tempo che fa" hat Renzi seinen Triumph ausgekostet. Bei den Wahlen in den Parteizirkeln hat er besser abgeschnitten als Cuperlo. Renzi unterstreicht, dass zum ersten Mal seit zwanzig Jahren, D'Alema, die graue Eminenz (im wahrsten Sinne des Wortes), mit der Wahl eines seiner Favoriten Pech hatte. Das ist schon ein kleiner Triumph für den Bürgermeister von Florenz, den er ein klei wenig feiert. Zwar lobt ihn D'Alema als guten Redner, aber er kreidet ihm zum wiederholten Male an, dass er oberflächlich sei. Auf alle Fälle konnte Fazio bei seiner beliebten Sendung nicht mehr gegenhalten. Renzi wird zu einer Dampfwalze, die alles niederreißt. Typisch ROTTAMATORE - Verschrotter. Eine kleine Kostprobe: Renzi und D'Alema.

D'Alema die graue Eminenz wirkt etwas beunruhigt.
Langsam scheint auch D'Alema den Bürgermeister von Florenz, der einfach nur als "Il Sindaco" bezeichnet wird, ernst zu nehmen. Cuperlo feiert hingegen sein Ergebnis als Erfolg.

Renzi genießt seinen Sieg und läßt Fazio keine Chance im Interview gestern
Aber wie ist es nun ausgegangen? Renzi hat 46,7%, Cuperlo 38,4%, Civati 9,2% und Pittella hat 6% erreicht. Diese halboffiziellen Daten besagen, dass Pittella draußen ist. Cuperlo ist stark in den Großstädten, Renzi eher auf dem Lande und im Süden. Cuperlo gewinnt in Genua, Bologna, Mailand, Rom, Neapel und Bari. Renzi ist in Turin und Palermo vorn, aber auch in der Toscana. Es wird auf jeden Fall spannend am 8. Dezember.
Böse ist der Twitter Fake Kuperlo, wo man den seriösen Gegenkandidaten, der die auf Sicherheit bedachte D'Alema Klientel bedient, diskreditiert, indem er mit dem Logo der PCI, der früheren Kommunistischen Partei Italiens (KPI), in Verbindung gebracht wird. Auch das ist Social Network in Italien.

Sonntag, 17. November 2013

Matteo Renzi ist auf dem Vormarsch

Matteo Renzi ist auf dem Vormarsch. Es gibt Abstimmungen in den kleinen örtlichen Parteizirkeln, wo es zwar noch nicht um die Kandidatur zum Vorsitz der PD geht, sondern um so etwas wie ein Stimmungsbarometer.
Es gibt vier Kandidaten, die miteinander im Wettstreit liegen: Matteo Renzi, der auf seiner WEB Seite genau Buch führen läßt, Gianni Cuperlo (Manifest), Giuseppe Civati und Gianni Pittella. Alle Mitglieder des Partito Democratico dürfen abstimmen und so hat man in den letzten Tagen eine wundersame Vermehrung der Mitgliedszahlen im PD erleben dürfen.
Wenn man den Zahlen glauben kann, dann liegt Renzi vorn.

Renzi liegt vorn, auch wenn sein Foto etwas künstlich aussieht
Ziel dieser landesweiten Vor-Abstimmung ist es, die Anzahl der Kandidaten auf drei zu reduzieren und ein Gespür dafür zu bekommen, wer die eigentlichen Kandidaten sind. 

Samstag, 21. September 2013

Renzi sitzt in den Startlöchern

Die Vorwahlen sind für den 8. Dezember geplant. Am 27. September soll die Nationaldirektion des PD die Regeln definieren und bis zum 11. Oktober sollen die Kandidaten vorgestellt werden. Wenn heute Vorwahlen wären, würde Renzi 78% der Stimmen bekommen, aber das will noch nichts besagen, denn seine Konkurrenten sind noch nicht im Rennen.

Einstweilen telefoniert Renzi seiner Tasche nach Renzi vergisst seine Tasche und Sonnenbrille oder läßt sich mit dem Motorrad durch Rom fahren.

Aber er spricht nicht und will nur weg. Die gegenwärtigen Regeln sprechen für Renzi: Vorwahlen zum Posten des Sekretärs des PD, Vorsitzender = Kandidat für das Amt des Premiers und gleichzeitig mit dem Landesvorsitzenden des PD werden auch die Vorsitzenden der Regionalstrukturen gewählt.  Gianni Cuperlo ist als Gegenkandidat zu Renzi für den Parteivorsitz im Gespräch.

In der Zwischenzeit soll Berlusconi, der wieder zu seiner Partei FORZA ITALIA zurückgekehrt ist, Renzi gründlich studieren, um ihn im sicherlich bald anstehenden Wahlkampf zu schlagen.

Samstag, 24. August 2013

Renzi ist aus dem Urlaub zurück

Matteo Renzi war in Kalifornien mit seiner Familie. Noch denkt er daran, seinen Job als Bürgermeister von Florenz weiter zu machen. Der Presse gegenüber hat er sich Schweigen verordnet, und das will er bis zum 30. August halten. Dann verkündet er wie es weitergehen wird.
An diesem Tag wird Matteo Renzi zwei Auftritte in der Öffentlichkeit haben, einen auf dem Fest der Unità in Forlì und den anderen in Reggio Emilia und alle erwarten hier seine Ankündigung, in den Kampf zu ziehen.

In der Zwischenzeit scheinen Berlusconi's Getreue entschlossen, die Koalition zwischen PD und PDL bis zum Äußersten zu belasten, indem sie vom Partito Democratico verlangen, Berlusconi zu unterstützen. Der ist verurteilt und leugnet die Verurteilung, will auch nicht seinen Ausschluss aus der Politik akzeptieren, die der Senat am 9. September beschließen könnte. Auch dafür hat Renzi eine Lösung. Man möge Berlusconi in Rente schicken.
Eine richtige Zwickmühle, das reinste Sommertheater. Und dann meldet sich noch D'Alema zu Wort. Er gibt Enrico Letta, dem regierenden Premier, bei einer erneuten Regierungsbildung keine Chancen. Nur mit Matteo Renzi könnten Neuwahlen gewonnen werden. Im Kopf von D'Alema sollte Gianni Cuperlo Parteivorsitzender werden und Renzi Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten 2015. Bersani steht auf der Seite von Letta und würde ihn im Falle einer Regierungsumbildung stützen. Es bleibt spannend.

Corriere della Sera, 23.8.2013: D'Alema's Hypothese
Es gibt aber andere Politiker, wie dieser Bondi, die behaupten, dass D'Alema noch nie mit seinen Vorhersagen recht hatte.

Dienstag, 23. Juli 2013

Renzi auf dem Fahrrad

Man weiß, dass Italien verschuldet ist, aber im Zusammenhang mit Renzi's Besuch bei Angela Merkel, wird es interessant. Die 130 Prozent Schuldenquote der Italiener beunruhigt die Spezialisten. Sie ist die Zweithöchste wie die Süddeutsche heute schreibt. Der Corriere dramatisiert nicht. IMU und IVA werden diskutiert und die Sommerpause steht vor der Tür.

Strukturreformen kommen nicht voran. Wie heißt es unten: IMU Reform: Die Regierung wartet auf Vorschläge von PD und PdL. Es tut sich seit Monaten nichts. Die Kanzlerin tut recht daran, nach Alternativen zu schauen. Wenigstens scheint Renzi jemand zu sein, der etwas tut will.

Auch der Corriere sieht die Dramatik der Situation
Die obere Graphik zeigt die Verspätung von Zahlungen der öffentlichen Verwaltung im Verhältnis zu den vertraglichen Vereinbarungen. Der zweite Graph zeigt die hohe Verschuldung Italiens. Die drittgrößte Wirtschaft Europas kommt Griechenland immer näher. Dann wird es gefährlich.
Zurecht mahnt Renzi seit Monaten Aktionen an, aber nichts passiert. Erst kürzlich wurde Alfano (PdL) vor einem Rücktritt gerettet, nur um Neuwahlen zu vermeiden und endlich aus dieser Zwickmühle herauszukommen. Auweia.

Und dann passiert etwas wie in Cardano al Campo, wo ein abgedrehter ehemaliger Stadtpolizist, der zurecht wegen Betrugs entlassen worden war, die Bürgermeisterin mit einer Pistole so schwer verletzt, dass sie zirka drei Wochen später für tot erklärt werden muss.
Unglaublich. Sie wurde am 2. Juli angeschossen
Da wundert es mich nur, dass der Bürgermeister von Florenz Matteo Renzi so freimütig durch die Gegend radelt und sogar ohne Fahrradhelm. Matteo sei vorsichtig. Es gibt immer Neider und Unzufriedene.

Links Renzi auf dem Fahrrad, ohne Helm
Der Sreenshot aus Renzis Facebook Seite zeigt ihn stolz ohne Helm auf einem Fahrradweg in Florenz. Das, kombiniert mit den kleinen Abflüssen am Rand der Fahrbahn, scheint mir doch ziemlich riskant, ebenso die Bordsteinkante links. 








Montag, 22. Juli 2013

Matteo Renzi bei Bersaglio Mobile und Massimo D'Alema

Matteo Renzi wird ganz schön in die Zange genommen bei diesem Interview, an dem Mentana (La7), Travaglio (Il Fatto quotidiano) und Damilano (Espresso) teilnehmen. Doch Matteo ist schwer zu packen. Natürlich tauchen Themen wie Kandidatur als Sekretär des PD oder als Premier sowie seine Reise nach Berlin auf.

Matteo Renzi unterstreicht, dass er durchaus nach Berlin fährt, zumal ein wichtiges Florentiner Unternehmen eine starke Präsenz in Deutschland hat. Renzi signalisiert der Merkel, dass er anders als Berlusconi denkt, weil er die Probleme Italiens nicht von Deutschland verursacht sieht.

D'Alema spricht positiv über Renzi. Er hält ihn für einen italienischen Politiker, der viele verschiedene Strömungen integrieren kann. Renzi ist für ihn ein wichtiges Asset des PD. Man denke an seine 38 Jahre. Und manchmal, so meint D'Alema müsste man Renzi vor sich selbst schützen.

Alles natürlich mit einem Augenzwinkern wie das in der italienischen Politik so üblich ist.

D'Alema bei einem Kurzinterview - Renzi in der Sendung Bersaglio Mobile - 18.7.2013
Als D'Alema ihm den Rat gibt, nicht als Sekretär des PD zu kandidieren, schauen alle verständnisvoll. D'Alema ist Süditaliener und skeptisch, dass ein PD-Sekretär die Parlamentswahlen auf eine Weise gewinnen kann, dass der PD ohne die Zwänge der gegenwärtigen Koalition regiert. Zu viele Versuche sind schon gescheitert in der Vergangenheit.

Matteo Renzi war in Berlin und traf Angela Merkel

Hier nun der visuelle Beleg dafür, dass Matteo Renzi in Berlin war und die Bundeskanzlerin getroffen hat. Am 20.7. hat dann der Corriere doch noch ein paar Details über den Besuch von Renzi in Berlin rausgerückt. Sicherlich hat man in Berlin nicht erwartet, dass diese Stipvisite des Bürgermeisters von Florenz solchen Staub in Italien aufwirbelt.

Der Bundeskanzlerin hat ihn eingeladen. Jetzt ist es raus und bezog sich auf die Pressemitteilung, die auch hier im Blog zitiert wurde. Der Besuch wird also heruntergespielt und als Kennlernvisite bezeichnet.


Hübsches Bild - Quelle: Corriere della Sera 20.7.2013
Es wird politisch korrekt der gegenwärtige Ministerpräsidend Letta gelobt, zu dem die Kanzlerin einen guten Draht haben will, sicherlich besser als zum alten Cavaliere (der wohl nun endgültig in der Versenkung verschwunden ist).

Es ist wohl klar, dass es nicht schaden kann, wenn man in Deutschland auch ein paar jüngere italienische Politiker mit Potential kennt. Die alte Politiker-Riege ist bekannt, man hat Dossiers. Es ist gut, dass die Kanzlerin Renzi eingeladen hat, um jemand Neues mit Einfluss in Italien treffen. Man weiß ja nie, was passiert, vielleicht wird es doch noch eine linksgerichtete christliche Partei in Italien geben - Veltroni läßt grüßen - und dann wären Herr Renzi und Frau Merkel wieder auf der gleichen Seite.

Kompliment für ihr politisches Geschick und den Riecher, wie auch immer dieser Besuch zustande gekommen ist. Wer mehr über Renzi wissen möchte, der kann sich ja das Buch leisten, von ihm geschrieben und in Deutsch auf dem Markt. Alles, was drin steht, findet sich in irgendeiner Form in dem wieder, was Renzi heute sagt und tut. Er ist ziemlich koherent, wenigstens bis jetzt. Matteo Renzi: Raus - Politik mit offenem Visier

Montag, 15. Juli 2013

Matteo Renzi und Merkel

War Renzi nun in Berlin oder nicht? Laut Corriere della Sera vom 15.7. war er letzte Woche hier. Im Bundeskanzleramt? Die Zeitung bildet sogar einen Hinweis aus den Tweets von Regierungssprecher Seibert ab.

Schlecht lesbar, deshalb Rückübersetzung: "Die Kanzlerin hat mit Herrn Renzi darüber gesprochen, was Europa für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung tun muss" - Corriere della Sera, 15.7.2013
Kann den Tweet bei Steffen Seibert nicht mehr finden.

Beschäftigung ist gerade das Top-Thema in Europa. Der Mittelstand ist gefragt und so besuchte die Kanzlerin auch Miele in der vergangen Woche, verwies auf eine frühere DDR-Erfahrung mit einem Miele Staubsauger und damit, dass ihr Vater bei Miele als Theologiestudent arbeitete, um etwas zu seinem Studium dazu zu verdienen. Dann noch ein Besuch am Montag letzter Woche bei General Electrics, die den Grundstein zum Bau eines neuen Trainingszentrums für Mitarbeiter und Kunden gelegt haben. In Florenz gibt es das Florence Learning Centre von GE. Und schon könnte man eine Verbindung zum Bürgermeister von Florenz, Renzi, vermuten.

Dass Merkel durchaus darauf achtet, was der 38jährige Bürgermeister über Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung sagt kommt auch in folgender Wertschätzung zum Ausdruck, die sich auf Beseitigung von bürokratischen Hürden bezieht.


Huch, da gibt es frühzeitig Berührungspunkte. Gerade war Letta als italienischer Ministerpräsident gewählt und Renzi hatte ihm ein "In bocca al lupo" gewünscht.

Sonntag, 14. Juli 2013

Matteo Renzi in Berlin, 11.Juli 2013

Matteo Renzi macht sich auf den Weg seinen Bekanntheitsgrad in den großen europäischen Nationen zu erhöhen. Er besucht einflussreiche Staatschefs Europa. Erste Station war laut Corriere della Sera am Donnerstag wohl Berlin, wo er Kanzlerin Merkel getroffen haben soll. Die deutsche Presse schweigt, die italienische bauscht wieder alles auf. Ferienzeit in Berlin, Sommerloch in Italien. Mehr Zeit für Besucher. Der Regierungschef Italiens, Enrico Letta, war angeblich informiert. Es sollen Paris und London folgen.

Der Corriere della Sera titelt am 14.7.: Renzi stellt sich führenden Politikern in Europa vor. Donnerstag geheimes Gipfeltreffen mit Merkel
Am Donnerstag hat Renzi in der Nähe des Flughafen Peretola ein Treffen in einer Hochschule abgehalten, ist schnell wieder verschwunden, ohne die Journalisten zu informieren wohin. Wollte er am Donnerstag den Direktflug der Vueling nach Berlin um 13:45 bekommen?

Sonntag, 9. Juni 2013

Renzi trifft den Ministerpräsidenten Letta in Florenz

Mehr als zwei Stunden soll das private Treffen zwischen Enrico Letta, dem Ministerpräsidenten Italiens, und Matteo Renzi, dem Bürgermeister von Florenz gedauert haben. 

Letta und Renzi beim Verlassen des Palazzo Vecchio in Florenz (Repubblica, 9.6.2013)
Beide sind im Partito Democratico. Renzi scheint entschlossen zu sein, für den Posten des Parteichefs zu kandidieren. Er hält sich zurück und zeigt Einigkeit mit dem Ministerpräsidenten. 

Screenshot Corriere della Sera 9.6.2013: Letta und Renzi beim Verlassen des Palazzo Vecchio
Bei dem Treffen, das mit einem Essen begann, trat Renzi als gastgebender Bürgermeister auf. Er führte seinen Gast auf den Torre di Arnolfo und zeigte ihm das schöne Florenz, aber auch die leer stehenden Kasernen, die ihm besonders am Herzen liegen, da auf deren Gelände Sozialwohnungen, Kindergärten und Altersheime errichtet werden könnten. Aber dabei blieb es nicht. Es ging um Staatshilfen für die Fertigstellung der Neuen Uffizien, um den Maggio Fiorentino und andere Projekte der "Agenda Firenze". Renzi setzte sich für Florenz ein und Letta fühlte sich, wie er im Interview mit einem Lächeln äußerte, fast bis aufs letzte Hemd ausgezogen. Es gab Zeiten, da ist Renzi zum Ministerpräsidenten nach Arcore gefahren, um um Unterstützung für seine Stadt zu bitten, heute besucht ihn der Ministerpräsident und hört sich seine Wünsche an. Letta und Renzi, gemeinsam könnten sie Staat und Partei reformieren.

Matteo Renzi mit seiner Frau Agnese

Eines der seltenen Bilder, die Matteo Renzi gemeinsam mit seiner Frau Agnese, einer Lehrerin, darstellen. Sie haben drei Kinder. Die Person links auf dem Foto ist der Regisseur Giuseppe Petitto, der gegenwärtig eine Dokumentation über Matteo Renzi dreht.

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Screenshot aus der Beilage IO Donna - Corriere della Sera anläßlich der Eröffnung einer Fotoausstellung über Haiti in Florenz


Montag, 20. Mai 2013

Matteo Renzi auf der Buchmesse in Torino - Salone del libro

Er stellt sein neues Buch "Oltre la rottamazione" vor und ist kaum wiederzuerkennen mit seinen Ansichten. Er bedauert die "rottamazione" - den etwas verachtenden Begriff der Verschrottung, den viele mißverstanden haben. Aber gerade dieser Begriff hat polarisiert. Renzi nähert sich dem Mainstream, will demokratische Mehrheiten erst im PD, dann in Italien.

Grillo's Anhänger denken nur an die Spesenabrechnungen, so Renzi in seinem Beitrag in Turin
Dennoch bleibt Renzi bei der Idee, die hinter der Verschrottung steht, denn die Erneuerung, die gerade erst begonnen hat, muss vollendet werden. Doch eine Einschüchterung der älteren Generation bringt nichts, denn auch sie soll ihn wählen.  

Die Verschrottung hatte in gewissem Maße Erfolg. Unter den heutigen Parlamentariern fehlen so viele Namen, die die Berichterstattung über italienische Politik seit Jahren bestimmt haben. Der gegenwärtige Ministerpräsident Letta (ein Mittvierziger) repräsentiert die Generation zwischen denen, die "verschrottet" wurden und Renzi's Generation der Mittdreißiger.

Sein Buch enthält etwas Gossip: Franco Marini, der erste Kandidat für die Napolitano-Nachfolge, hat ihn vor der Wahl angerufen und an ihn appelliert, dass es nun wieder Zeit sei, einen katholischen Präsidenten der Republik zu bekommen. Aber Renzi trennt Funktion und Religion streng voneinander und ließ sich nicht vereinnahmen.

Als die Parteien um den Namen eines Premiers rangen, stand auch Renzi's Name auf der Liste. Er rief Angelino Alfano (Berlusconi's Adlatus) an, der gibt das Telefon weiter an Berlusconi, der wiederum den "caro sindaco" davon in Kenntnis setzt, dass die PdL nichts gegen einen Kandidaten des PD hätte. Im Buch skizziert Renzi das Gesrpäch mit Berlusconi so: "Semplicemente non vogliamo te, preferiamo Amato e Letta." Kurz und knapp: wir wollen nicht mit dir zusammenarbeiten, Amato und Letta sind uns lieber.

Im Buch geht es auch um Bersani's Fehler im Wahlkampf, die nach Renzi so aussahen:
- Inaktivität nach den gewonnenen Vorwahlen;
- Wortspiele statt Inhalte;
- mißlungene Vorschlägen für die Präsidentenwahl (erst Marini, dann Prodi).

Arbeit für junge Leute ist ebenso Thema wie die Opposition gegen die Trasse für Hochgeschwindigkeitszüge. Steuersenkungen machen nun Sinn.

Matteo Renzi: Oltre la rottamazione, Mondadori, Broschur 120 Seiten, 15 Euro
Noch ist er Bürgermeister von Florenz, aber er drängt nach höheren Weihen.




Donnerstag, 9. Mai 2013

Matteo Renzi und die "Renzianer"

Obwohl er es nie wollte - sein Buch Matteo Renzi: Raus! Politik mit offenem Visier beschreibt dies ausführlich - steht er nun an der Spitze einer Strömung im PD, den "renziani".

Scegli tu

Die Anhänger Renzis sind zwischen 40 und 50 Abgeordnete und Senatoren in der Kammer und im Senat. Keine große Gruppe, aber eine Kraft, die Reformen vorantreiben will. Ein Antrag zur Abschaffung der öffentlichen Parteienfinanzierung mit dem Namen "Scegli tu" (Du hast die Wahl) wurde vorgestern von den Renzianern im Parlament eingebracht.

Der Antrag enthält drei Elemente:
-  Abschaffung der Parteienfinanzierung in Abhängigkeit von den den Ausgaben für den Wahlkampf;
-  Einführung von Steuererleichterungen für Wahlspenden. 40% und maximal 10.000 Euro der Wahlspende werden vom Fiskus erstattet;
-  weitere Erleichterungen, wenn die Partei mehr Demokratie wagt: Vorwahlen, Minderheitenschutz in der Partei, Veröffentlichung der Parteibilanz.

Posten in Rom

In diesen Tagen geht und ging es um die Verteilung der Posten in Rom. Die Anhänger Renzis konnten vermelden, dass ihnen der Vorsitz der Kulturkommission des Senats, das Amt des Sekretärs für Verfassungsfragen und des Sekretärs für Bauvorhaben und Telekommunikation im Senat anvertraut werden, Sekretärsämter auch in der Kammer: Kultur, Umwelt, Wirtschaft und Bilanzen und weitere. Das hilft Renzi, sich eine Machtbasis zu sichern und das Geschehen in Rom im Auge zu behalten. Er trifft sich regelmäßig mit seinen Leuten.

Wahlen im PD

Die nächste große Entscheidung im PD steht an: die Wahl eines Vorsitzenden des Übergangs am Samstag. Niemand drängt sich darum, denn der kommende Parteitag wird einen neuen Vorsitzenden wählen.

News aus Florenz 9.5.2013
Renzi und Bersani haben sich gestern getroffen und Renzi hat signalisiert, dass er und die Seinen keine Unruhe bei der Wahl des geschäftsführenden Parteivorsitzenden stiften werden. Drei seiner Leute sind für Schlüsselpositionen in der Partei nominiert. Renzi's Ziel ist klar: Premier, wenn die Zeit reif ist. Das Hickhack und den täglichen Kleinkrieg im PD verfolgt er lieber mit Abstand.




Sonntag, 28. April 2013

Matteo Renzi und die Letta-Regierung

Renzi ist am 27.4.2013 einer der Gäste bei "Il tempo che fa", einer Talkshow, die von RAI 3 ausgestrahlt wird. Die politischen Entwicklungen werfen das Konzept der Show durcheinander. Enrico Letta (PD) hat eine Regierungsmannschaft vorgestellt, die einige überraschende Personalien aufweist.

Eine Regierung der nationalen Verständigung, M5S fehlt, dafür mehr Frauen und jüngere Politiker und ein Mix aus verschiedenen Parteien: PD, PdL, UDC, Radicali, Scelta Civica.
So tritt zum ersten Mal in Italien eine farbige Ministerin an. Das ist wie eine Vorlage für Renzi, der gern Bilder aus dem Fussball benutzt. Helden der Jugend in Italien sind Fussballer wie Balotelli und El Shaarawy, Italiener mit ausländischen Wurzeln. Warum sollte das auch nicht in der Politik zum Ausdruck kommen.
Wie gesagt hat die politische Entwicklung das Konzept des Moderators etwas durcheinander gebracht, aber Renzi wäre nicht er, wenn er die zur Verfügung stehenden 20 Minuten nicht doch mit Spannung versehen würde. Er lächelt, wenn man ihn für jeden möglichen Posten ins Gespräch bringt und bietet sich - spaßenshalber - als Assistent in der Moderation des Festivals von San Remo an. Fazio will nach der Sendung darauf zurückkommen. Die Unterstützung der PD wäre ihm sicher gewesen, wenn er von Napolitano den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen hätte. In der PDL, sprich bei Berlusconi, gab es Vorbehalte. Das schwächt das allgemeine Vorurteil, Renzi sei ein "verdeckter" Zögling von Berlusconi.

Renzi möchte anpacken, verändern, verschrotten, nicht die Strömungen in einer Partei zusammenhalten
 Darauf angesprochen, ob er Ambitionen auf den Vorsitz in der PD habe, winkt Renzi ab. Ihm ist es zu mühselig, sich im Alltag einer großen Partei zu verstricken, Strömungen und Gruppierungen zusammenhalten zu müssen. Er möchte Politker im Dienste Italiens sein: Kindergärten, Museen eröffnen, einfach vollendete Projekte vorweisen, die dem Land weiterhelfen.
Auf das Thema einer Spaltung der PD angesprochen, verhält er sich vorsichtig, sieht aber keinen Sinn darin, die gewonnene Einheit der Linken auf das Spiel zu setzen, nur weil man sich zum christlichen Glauben bekennt. Renzi trennt klar Glaube und politisches Handeln. Er ist Bürgermeister aller Florentiner und nicht nur der Katholiken wie er in seinem Buch "Raus - Politik mit offenem Visier" beschreibt.
Das Interview hat ein paar Längen, aber belegt einmal mehr die Kohärenz in Renzi's politischen Auffassungen. Ich habe schon einige Male gedacht, er sei aus dem Rennen, aber Renzi kommt immer wieder. Die jetzige Regierung muss das Vertrauensvotum nächste Woche bestehen, sofort an die Arbeit gehen und Ergebnisse vorweisen. Wenn ich mir das Alter der Minister ansehen (die sind meisten um die 50 Jahre) dann scheint diese Regierung so etwas wie ein Nachhall vergangener Zeiten und gleichzeitig ein Signal für den Aufbruch zu sein. Ob das funktioniert? Wer Italienisch versteht, kann sich ja das Interview ansehen:

Renzi am 27.4.2013 bei "Il tempo che fa"


    

Montag, 15. April 2013

Renzi antwortet Bersani, der ihn als arrogant bezeichnet

Bersani's Ziel ist klar: er möchte eine Regierung bilden. Er nutzt alle Möglichkeiten, um seine Partei nach allen Seiten offen und sich im Spiel um die Macht zu behalten. Er weckt in seiner väterlichen Art Erwartungen und hält die italienische Politik fünf Wochen in der Schwebe. Dann tritt Napolitano ab und ein neuer Staatspräsident wird gewählt. Der vergibt den Auftrag zur Regierungsbildung oder beruft Neuwahlen ein. Doch was steckt dahinter? Die Politiker-Kaste formiert sich, die alten Politiker der unterschiedlichsten Couleur merken, dass sie es mit einer Bewegung (M5S) zu tun haben, die mit den Mitteln der Politik nicht zu fassen ist. Eines Tages werden linke wie rechte Politiker Bersani für diese Verzögerungstaktik dankbar sein. Es gehört schon ein gutes Stück Unverfrorenheit dazu, Vendola's linke SEL und Reformwillige in der PDL zu hoffieren.
Neuwahlen will keiner, weil das Ergebnis nicht absehbar wäre. Heutige Politik verkommt zu Anti-Politik, die die Politiker eigentlich bekämpfen sollten. Sie dient dem Erhalt ihrer Pfründe. Bersani sucht Verbündete in allen politischen Lagern, er bildet eine institutionelle 1-Sterne-Bewegung zur Rettung der Politiker-Kaste.
Talkshows mutieren zu Debatten wie nach den Fussballspielen der Serie A, in denen Fouls, Tore oder Abseitspositionen endlos kommentiert und nach allen Regeln der Rhetorik auseinandergenommen werden. Fehlentscheidungen der Schiedrichter werden wie Großereignisse behandelt. Die doppelbödige Eloquenz der Talkshow-Master im italienischen Fernsehen stellt den politischen Sänger Franco Battiato in den Schatten. Renzi sollte nichts mehr sagen, denn fast alles wird fortan gegen ihn verwendet. Das ist ein Déja-Vue. Wie bei der Bürgermeisterwahl in Florenz, die er gewonnen hat, wird er auch heute von ach so biederen Politikern seiner eigenen Partei beschimpft. Sein Buch Raus - Politik mit offenem Visier beschreibt dies im Detail - lesenswert.

Im Video antwortet Renzi sachlich auf die Vorwürfe von Bersani.

Renzi ist bereit, Berlusconi herauszufordern. Angriffe aus den eigenen Reihen schmerzen. CorriereTV vom 14.4.2013

Sonntag, 14. April 2013

Matteo Renzi versus Bersani

Nun haben die Italiener endlich Streitigkeiten in der Partito Democratico (PD). Renzi wurde nicht als Vertreter der Toskana für die Präsidentenwahl am 18. April benannt. Das mag ihn gekränkt haben.
Dann bezeichnet ihn Bersani, sein Parteivorsitzender, als arrogant, nur weil jener ihm vorgeworfen hatte, dass er eine Demütigung durch die Vertreter der M5S hingenommen hat und dass es einfach nicht vorwärts geht mit der Regierungsbildung in Italien. Bersani hat ja eigentllich sein Mandat zur Bildung der Regierung noch nicht zurückgegeben. Nun scheint er auf Zeit zu spielen bis der neue Präsident oder die neue Präsidentin da ist. Emmo Bonino, eine Vorkämpferin der legalen Abtreibung und Vertreterin der Trennung von Staat und Kirche, liegt in den Vorhersagen vorn. Bersani spielt auf Zeit. Und nun nimmt auch der Tagesspiegel vom 12.4. das Thema Renzi wahr.

Tagesspiegel online 12.4.
Berlusconi herausfordern hat in Bari vor (angeblichen) 150.000 Anhängern für den Fall von Neuwahlen, seine Kandidatur ankündigt. Mutig. Mutig. Stampa.it titelt am 13.4.

Berlusconi: Regierung mit der PDL oder Neuwahlen im Juni
Berlusconi ist Jahrgang 1936, fast so alt wie Renzi's Großmutter (lebt sie noch?). Aber er will es noch einmal wissen. Der Schriftzug SILVIO feiert seinen Vornamen. Unglaublich. Und Renzi? Er möchte ihn nicht ins Gefägnis, sondern in Rente schicken.

Renzi - ich möchte Berlusconi bei Neuwahlen herausfordern
Bersani laviert und dies sehr geschickt. Dabei ist das Bruttoinlandsprodukt über die Diskussionen schon um ein 1% in den letzten 50 Tagen gesunken, wie Giorgio Squinzi (Präsident der Confindustria) vor 1.500 Unternehmern am Samstag in Turin behauptet hat. Die Presse und das Fernsehen dramatisieren die wirtschaftliche Situation und die Verzweiflung der Menschen in Italien. Es muss gehandelt werden. Von Grillo kommen nur Befehle an seine Mannschaften. Er wartet, die Zeit arbeitet für ihn. Seine Bewegung M5S ist der dritte Akteur auf der politischen Bühne und im Augenblick die einzige Wahlgruppierung, die an ihrem Versprechen, nicht mit den Parteien zu koalieren, festhält. Bersani und Berlusconi sprechen miteinander und sogleich beschwört die Presse den "historischen Kompromiss" in den siebziger Jahren zwischen Aldo Moro (DC) und Enrico Berlinguer (PCI).

Und dann gibt es Streit in der Linken. Das spielt nur dem politischen Gegner in die Karten. Wer warf den ersten Stein?

Der Corriere Fiorentino sieht schon den totalen Bruch zwischen Bersani und Renzi
Renzi antwortet nich einmal auf die Anrufe seines Parteivorsitzenden. Ist das schon die offene Rebellion? Die Presse macht es zu dem. 


Montag, 8. April 2013

Matteo Renzi im Profil der Süddeutschen Zeitung 8.4.2013

Na dann nimmt die deutsche Presse Matteo Renzi mehr wahr. Das unten stehende Profil beschreibt ihn ziemlich ausführlich.

Wer mehr über Renzi wissen möchte lese doch einfach sein Buch "Raus", das es auch in einer wenn auch nicht immer perfekten, aber doch lesenswerten deutschen Übersetzung gibt Renzi, Matteo "Raus - Politik mit offenem Visier", Britzer Hufeisen Verlag 2012.

Henning Klüver, der SZ Italien Spezialist schreibt über Renzi

Renzi, der beinharte Fiorentina-Fan: Milan - Fiorentina 2:2

Das fühlte sich für die Fiorentina wie ein Sieg an. Mit zwei Toren lag sie zurück.
Es gab eine rote Karte für Tomovic, der dem defensiven Mittelfeld der Fiorentina Stabilität verleihen sollte. In der folgenden Aufregung musste Galliani, der Chef des AC Milan, die Tribüne verlassen, weil er sich von den Florenzer Fans bedroht fühlte. Er verfolgte das Match in der Umkleide von Milan. Einer seiner Bodyguards soll sogar von einer Geldmünze getroffen worden sein. Die Leitung der Fiorentina entschuldigte sich. Der Schiedsrichter Tagliavento aus Terni hatte nicht seinen besten Tag.

Renzi ist in der Nähe von Della Valle, dem Eigentümer der Fiorentina, und soll sogar eingegriffen haben, als sich ein Halbwüchsiger Galliani in agressiver Absicht näherte. Auf dem Bild des Corriere Fiorentino vom Match sieht es so aus, als wollte Renzi aufgeregte Fiorentina-Fans beruhigen. Das Beste kam zum Schluss: die Fiorentina bekam noch 2 Elfmeter, in der 66. und 73. Minute. Und  Ljajic und Pizarro nutzten die Chance, um den 0:2 Rückstand in ein 2:2 zu drehen. So konnte sich  die Fiorentina ihre Chancen auf eine Qualifikation zur Championsleague wahren. Und Renzi, der beinharte Fiorentina-Fan, war dabei.


Wer sucht der findet: Renzi ist beinharter Fiorentina-Fan
 

Sonntag, 7. April 2013

Renzi bei Maria De Filippi "Amici"

Matteo Renzi hat eine kleine Rede gehalten bei der Neuauflage der Talentshow AMICI von Maria De Filippi auf Canale 5 (gehört zu Berlusconi's Mediaset). Damit hat er ein paar Polemiken hervorgerufen, siehe Facebook: z. B. finalmente il pd è morto von Giancarlo (endlich ist die PD tot). Für die traditionelle Linke mag das stimmen. 

Sein Thema ist Hoffnung und er knüpft dabei an die Worte des Papstes an: Laßt euch die Hoffnung nicht rauben.

Renzi bei AMICI - Talent Show auf Canale 5; Quelle: repubblica.it
Der Link scheint überlastet zu sein, muss man sicher später noch einmal probieren.

Renzi + Berlusconi = Renzusconi

Ein bißchen albern zwar, aber dennoch ist der kreative Umgang mit Politikern in Italien bewundernswert.

Was meint Renzi dazu. Er äußert sich bei der Eröffnung der Piazza San Jacopino am 6. April in Forenz, wo neue Parkmöglichkeiten und ein Kreisverkehr die Verkehrssituation verbessern sollen. Alles steht im Netz: Projekt San Jacopino. Sitzmöglickeiten und ansehnlichere Behälter für die differenzierte Müllsammlung wurde aufgestellt. Bäume spenden Schatten. Florenz wird wohnlicher, einer der wichtigsten Punkte im Programm des Bürgermeisters. Mit einem Auge schaut er immer nach Rom, um mitzubekommen, was die PD-Leitung tut, um das innenpolitische Patt aufzulösen. Renzi ist Realpolitiker, auch wenn es um eine Regierungsbildung geht. Es gibt im Grunde nur drei Möglichkeiten: Regierung PD-PdL, PD-5-Sterne-Bewegung oder Neuwahlen. Grillo's Bewegung will keine Koalition mit der PD, Neuwahlen will eigentlich auch keiner so richtig in der PD, was bedeuten könnten, neue Vorwahlen und vielleicht doch eine Kandidatur von Renzi.

Die Wackelkandidaten in der 5-Sterne-Bewegung, die bereit wären, eine Bersani-Regierung zu unterstützen, stellen auch keine richtige Alternative dar. Und überhaupt. Erst verlangt Grillo, dass sich Bersani auf einen Livestream bei den Sondierungsgesprächen für eine Regierung mit den Abgesandten der 5-Sterne-Bewegung einläßt, dann fährt er mit allen Gewählten der 5-Sterne-Bewegung an einen geheimen Ort, um über Politik zu diskutieren. Hier ist Öffentlichkeit unerwünscht.

Renzi sieht, was sich augenscheinlich nicht vermeiden läßt: ernsthafte Gespräche zwischen PD und PdL, um vorwärts zu kommen und dringende Probleme zu lösen wie die extrem hohe Arbeitslosigkeit. Sofort heißt es: Renzi + Berlusconi = Renzusconi. Und das muss gleich visualiert werden. Hier das lustige Bild (Photoshop machts möglich):

Renzusconi (Quelle: corriere.it 6.4.)


 







Donnerstag, 4. April 2013

Matteo Renzi bringt Bewegung ins Polit-Spiel


Matteo Renzi macht einen mutigen Schritt. Die italienische Presse, diesmal der Corriere della Sera, stürzt sich auf ihn, bietet ihm eine Plattform. Renzi nimmt das Angebot dankend an und spielt sofort auf Angriff.

Der Toskaner - eine vieldeutige Karikatur
Er fordert eine klare Entscheidung von seiner Partei: Verständigung mit Berlusconi oder Neuwahlen. Der Stillstand in Italien spielt nur der Anti-Politik in die Karten. Wenn es absolut nicht mit Berlusconi geht, weil er das Oberhaupt der "Nicht-Präsentablen" ist und Grillo jegliches Zusammengehen mit den Parteien ablehnt, dann bleiben eigentlich nur Neuwahlen.
Renzi will nicht kooptiert werden, will nicht als Feigenblatt seiner Partei herhalten, deshalb redet er mit der Presse und tritt bei Maria de Filippi auf, deren Publikum eine gute Zielgruppe für Renzi's Aufbegehren ist. Eine Partei kann sich eben nicht das Volk aussuchen, das sie wählen soll. Sondern die PD-Politiker sollen sich an die eigene Nase fassen und hinterfragen, ob man überhaupt versteht, was das Volk will. Was ist zu tun: ein neues Wahlrecht für einen klaren Gewinner nach der Wahl, Abschaffung des Senats und Bildung einer Länderkammer mit den Vertretern der Regionen und den Bürgermeistern der Großstädte, die monatlich unentgeltlich in Rom tagen sollen. Das hilft, die Kosten für die Politik zu reduzieren. Sechs Monate bräuchte man für diese Änderungen.
Renzi ist stolz und will gegenhalten, sich nicht von der 5-Sterne-Bewegung demütigen lassen, wie es Bersani geschah als er sich auf das Live-Streaming seiner Gespräche mit den Vertretern der Grillo-Bewegung einließ. Die Politik ist nur zu retten, wenn die Politiker wieder das Heft in die Hand nehmen, vorangehen und schnelle Reformen einleiten: Senat abschaffen, Provinzen abschaffen, etc. Entbürokratisierung, Antragsbearbeitung On-Line, etc. Arbeit. Renzi will nicht von den Leuten in der Parteiführung legitimiert werden, die er eigentlich "verschrotten" möchte. Italien braucht Perspektiven. Und was sagt Bersani dazu? "Il Toscano" und meint Renzi, der aus der Toscana stammt, aber gleichzeitig das berühmte, gleichnamige Zigarillo. 

Donnerstag, 21. März 2013

Matteo Renzi Titelblatt "Espresso"

Dann hat er es auf das Titelblatt des Espresso geschafft. Als Alternativ-Titelseite hatte der Espresso ein Bild vom Papst. Wahrscheinlich wollte man sich auch von Panorama abheben. Die Ereignisse gehen ihren Gang. Morgen schlägt Präsident Napolitano den Mann vor, der die Regierung in Italien bilden soll.

Ich bin bereit
Mit Stirnband sieht es doch etwas kamikazemäßig aus. Ich drücke ihm die Daumen.

Mittwoch, 13. März 2013

Matteo Renzi steht bereit

Die Papstwahl ging doch ziemlich fix. Francesco I. sieht freundlich aus und soll sehr bescheiden sein. Ein bißchen alt könnte man einwenden, aber wann gab es schon einmal einen jungen Papst. Das Alter des Papstes ist sicherlich kein Thema für unseren Rottamatore Renzi.

Er ist bekennender Katholik und links. Er steht damit in der italienischen Tradition, dass sich Unvereinbares vereinen läßt, siehe Don Camillo und Peppone. In der Politik laviert er im Augenblick etwas, er will sich nicht selbst beschädigen. Wiederholt sein Mantra, dass eine Kandidatur erst nach dem Sieg neuer Vorwahlen in Fragae kommt. Er zeigt sich, ohne dem Vorsitzenden Bersani in den Rücken zu fallen. Er macht bekannte Vorschläge, die auch schon in der Vergangenheit die Parteileitung herausgefordert haben. Die Bürgerdemokratie eines losen Bündnisses kann man nur mit ihren eigenen Themen herausfordern, die von Kritikern in der Partei auch schon früher angesprochen wurden, wenn auch leiser, weil es ja auch eine "Parteidisziplin" gibt. Bei den Vorwahlen hatte Renzi Widersacher, die ihn in der jetztigen Situation als Retter des Linksbündnisses sehen. Renzi bleibt seinen Prinzipien: Vorwahlen gewinnen, klare Mehrheiten ohne riskante Bündnispartner, "Verschrottung". Doch ein neuer Unterton kommt in einem kürzlichen Espresso-Interview ins Spiel: Bürgermeister von Italien.

Sollte Bersani mit einer Regierungsbildung scheitern, dann könnten Neuwahlen anstehen. Bei eventuellen Vorwahlen der PD könnte Renzi antreten. Wenn man die Diskussionen in der Presse wie Corriere della Sera oder im Fernsehen, öffentlich wie privat, verfolgt, dann hat man den Eindruck, dass die Journalisten immer die gleichen Fragen stellen, nur um dem Gesprächspartner das neueste Bekenntnis zu entlocken. Dann wird eine Titelzeile formuliert, die manchmal im Widerspruch zu dem steht, was gesagt wurde. Das kann zur Demontage von Politikern beitragen, gilt Journalisten aber als Pressefreiheit, weil man glaubt, objektiv zu sein. Deshalb bevorzugt Grillo im Moment das Gespräch mit ausländischen Journalisten, zum Beispiel denen des Handelsblatts.

So klingt Grillo in Deutschland

So wie in manchen italienischen Fernsehsendern am Wochenende im Bezahlfernsehen gezeigte Fussballspiele kommentiert werden, ohne dass der Zuschauer die Spiele sieht, sondern nur die Kommentatoren, so werden sich die italienischen Journalisten auch mit fehlendem oder verkleidetem Grillo arrangieren. Alles im Interesse der Information.

Es wird behauptet, dass Renzi an einem politischen Programm arbeitet, das der politischen Lage in Italien Rechnung trägt und Lösungen für Herausforderungen wie Konflikte innerhalb der PD, Grillo und die PD, Wahlkampferstattung, Vorwahlen usw. anbieten soll.  Im Espresso klingt es erst einmal danach, dass er bereit sei.

Renzi: Ich bin bereit
Im folgenden Blog, kommt der lapidare Kommentar von francesco55: "Te sei pronto, ma io ancora non sono pronto a darti il voto!" Du bist bereit, aber ich bin noch nicht bereit, dir meine Stimme zu geben. Das scheint noch ein ziemlich steiniger Weg zu werden.

Sonntag, 10. März 2013

Matteo Renzi - Che tempo che fa 9.3.2013

Irgendwie kann man diese Stimme nicht mehr hören. Die Anderen scheinen zu schweigen, warum schweigt Renzi nicht auch. Lass doch den Bersani etwas richten, vielleicht schafft er es auch. Renzi macht immer wieder auf sich aufmerksam und kommentiert aus einer sicheren Deckung heraus.

Dabei sollte er nicht vergessen, dass sich die PD sehr sicher war, die Wahlen zu gewinnen. Wenn er sich sicher ist, eventuell anstehende Vorwahlen oder  Neuwahlen zu gewinnen, dann hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Aber er muss im Gespräch bleiben. Als er sich nach der Wahl etwas zurückgezogen hat, haben alle gefragt, wo ist er denn, schmollt er, weiß er nicht mehr weiter?

Jetzt wagt er sich aus der Deckung und hat das Recht dazu, denn als Bürgermeister vertritt er die Interessen der Bürger einer der großen Städte in Italien - Florenz - und hat das Recht, mit Monti zu reden, wenn es zum Beispiel um einige der 23.000 Baustellen in Italien geht, die nicht fertig gestellt werden können, weil 9 Milliarden Euro öffentlicher Mittel blockiert sind.

Hat einen schönen Thresen.


Matteo Renzi bei Che tempo che fa 9.3.2013

Renzi hofft, dass es Bersani schafft. Neue Wahlen vielleicht in Juni oder Oktober. Die acht Punkte von Bersani sollten ergänzt werde mit der Abschaffung der staatlichen Wahlausgaben-Erstattung: 45 Millionen für die PD, 43 Millionen für 5 Stelle und 37 Millionen für PDL.
Aktionen sind erforderlich: Beschäftigungsprogramme vor allem für die Jungen. Investitionen in Tourismus, Kultur und Bildung.

Kammer- und Senatspräsidenten wird es am nächsten Samstag, spätesten nächste Woche Montag,  geben. Das ist sicher, weil das Wahlrecht vier Runden vorsieht.

Kammer und Senat machen dasgleiche mit 1000 Parlamentarier. Schaffen wir den Senat ab und schicken wir die Bürgermeister und die Regionalpräsidenten hin, wenn es um die Abstimmung zu Gesetzen geht, natürlich unentgeltlich.

Mittwoch, 6. März 2013

Matteo Renzi bei Ballarò von Giovanni Floris.

Am 5.3.2013, einen Tag vor der Sitzung der Direktion der PD in Rom, war  Renzi bei einer der beliebten Talkshows im Italienischen Fernsehen.

Renzi bei Ballarò am 5.3.2013

Es war ein schöner Moment als Renzi auf die Frage, ob er nun als Kandidat zur Verfügung stehe, antwortete: Denken Sie denn, ich komme durch den Hintereingang zurück. Wissen Sie nicht, dass ich die Vorwahlen der PD verloren habe? Es gehört zur Glaubwürdigkeit eines Politkers, seine Versprechen zu halten. Damit stärkt er sich selbst, ohne Bersani zu schwächen, dem er verspricht, die PD nicht zu spalten, was garnicht so abwegig wäre, wenn man sich diesen Zusammenschluß aus linken Christdemokraten und Kommunisten (extrem gesehen) vor Augen führt. Vorerst sind die Angriffe von M5S und PDL abzuwehren und dies geht nur mit einer organisierten Kraft. M5S und PDL müssen sich nun an Bersani abarbeiten, denn vielleicht schafft er es sogar.

Renzi bei Ballarò 5.3.2013

Renzi antwortet auf alle Fragen, auch auf die unbequemen, direkt und mit offenem Visier. Er redet schneller als er denkt. Unglaublich. Aber die Gedanken sind klar und verständlich formuliert, selbst ich kann ihm mit meinen geringen Italienisch-Kenntnissen folgen.

Es gelingt ihm, das skeptische Publikum auf seine Seite zu ziehen. Es geht um Grillo, Berlusconi, um Monti, den er am 5.3. besucht hat. Ist doch schön wie er darstellt als er einmal Berlusconi besuchte, aber nur zum Mittagessen eingeladen wurde, denn irgendwie hat Berlusconi mit seinen Röntgen-Augen sofort verstanden, dass Renzi nichts für ein Abendessen mit anschließendem Bunga-Bunga wäre. Geistreiche Doppeldeutigkeit ohne jemanden direkt anzugreifen.

Italienische Leichtigkeit eben, auch in der Politik. Beneidenswert.

Matteo Renzi - RAUS!

Ja, es gibt sogar ein Buch von ihm, das seine politische Weltsicht erläutert. Kann man schon mal lesen. Ist eine Übersetzung aus dem Italienischen. Das Original wurde 2011 veröffentlicht, die Übersetzung ein Jahr später. Was er schreibt hat immer noch Gültigkeit.

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