Montag, 15. April 2013

Renzi antwortet Bersani, der ihn als arrogant bezeichnet

Bersani's Ziel ist klar: er möchte eine Regierung bilden. Er nutzt alle Möglichkeiten, um seine Partei nach allen Seiten offen und sich im Spiel um die Macht zu behalten. Er weckt in seiner väterlichen Art Erwartungen und hält die italienische Politik fünf Wochen in der Schwebe. Dann tritt Napolitano ab und ein neuer Staatspräsident wird gewählt. Der vergibt den Auftrag zur Regierungsbildung oder beruft Neuwahlen ein. Doch was steckt dahinter? Die Politiker-Kaste formiert sich, die alten Politiker der unterschiedlichsten Couleur merken, dass sie es mit einer Bewegung (M5S) zu tun haben, die mit den Mitteln der Politik nicht zu fassen ist. Eines Tages werden linke wie rechte Politiker Bersani für diese Verzögerungstaktik dankbar sein. Es gehört schon ein gutes Stück Unverfrorenheit dazu, Vendola's linke SEL und Reformwillige in der PDL zu hoffieren.
Neuwahlen will keiner, weil das Ergebnis nicht absehbar wäre. Heutige Politik verkommt zu Anti-Politik, die die Politiker eigentlich bekämpfen sollten. Sie dient dem Erhalt ihrer Pfründe. Bersani sucht Verbündete in allen politischen Lagern, er bildet eine institutionelle 1-Sterne-Bewegung zur Rettung der Politiker-Kaste.
Talkshows mutieren zu Debatten wie nach den Fussballspielen der Serie A, in denen Fouls, Tore oder Abseitspositionen endlos kommentiert und nach allen Regeln der Rhetorik auseinandergenommen werden. Fehlentscheidungen der Schiedrichter werden wie Großereignisse behandelt. Die doppelbödige Eloquenz der Talkshow-Master im italienischen Fernsehen stellt den politischen Sänger Franco Battiato in den Schatten. Renzi sollte nichts mehr sagen, denn fast alles wird fortan gegen ihn verwendet. Das ist ein Déja-Vue. Wie bei der Bürgermeisterwahl in Florenz, die er gewonnen hat, wird er auch heute von ach so biederen Politikern seiner eigenen Partei beschimpft. Sein Buch Raus - Politik mit offenem Visier beschreibt dies im Detail - lesenswert.

Im Video antwortet Renzi sachlich auf die Vorwürfe von Bersani.

Renzi ist bereit, Berlusconi herauszufordern. Angriffe aus den eigenen Reihen schmerzen. CorriereTV vom 14.4.2013

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