Sonntag, 28. April 2013

Matteo Renzi und die Letta-Regierung

Renzi ist am 27.4.2013 einer der Gäste bei "Il tempo che fa", einer Talkshow, die von RAI 3 ausgestrahlt wird. Die politischen Entwicklungen werfen das Konzept der Show durcheinander. Enrico Letta (PD) hat eine Regierungsmannschaft vorgestellt, die einige überraschende Personalien aufweist.

Eine Regierung der nationalen Verständigung, M5S fehlt, dafür mehr Frauen und jüngere Politiker und ein Mix aus verschiedenen Parteien: PD, PdL, UDC, Radicali, Scelta Civica.
So tritt zum ersten Mal in Italien eine farbige Ministerin an. Das ist wie eine Vorlage für Renzi, der gern Bilder aus dem Fussball benutzt. Helden der Jugend in Italien sind Fussballer wie Balotelli und El Shaarawy, Italiener mit ausländischen Wurzeln. Warum sollte das auch nicht in der Politik zum Ausdruck kommen.
Wie gesagt hat die politische Entwicklung das Konzept des Moderators etwas durcheinander gebracht, aber Renzi wäre nicht er, wenn er die zur Verfügung stehenden 20 Minuten nicht doch mit Spannung versehen würde. Er lächelt, wenn man ihn für jeden möglichen Posten ins Gespräch bringt und bietet sich - spaßenshalber - als Assistent in der Moderation des Festivals von San Remo an. Fazio will nach der Sendung darauf zurückkommen. Die Unterstützung der PD wäre ihm sicher gewesen, wenn er von Napolitano den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen hätte. In der PDL, sprich bei Berlusconi, gab es Vorbehalte. Das schwächt das allgemeine Vorurteil, Renzi sei ein "verdeckter" Zögling von Berlusconi.

Renzi möchte anpacken, verändern, verschrotten, nicht die Strömungen in einer Partei zusammenhalten
 Darauf angesprochen, ob er Ambitionen auf den Vorsitz in der PD habe, winkt Renzi ab. Ihm ist es zu mühselig, sich im Alltag einer großen Partei zu verstricken, Strömungen und Gruppierungen zusammenhalten zu müssen. Er möchte Politker im Dienste Italiens sein: Kindergärten, Museen eröffnen, einfach vollendete Projekte vorweisen, die dem Land weiterhelfen.
Auf das Thema einer Spaltung der PD angesprochen, verhält er sich vorsichtig, sieht aber keinen Sinn darin, die gewonnene Einheit der Linken auf das Spiel zu setzen, nur weil man sich zum christlichen Glauben bekennt. Renzi trennt klar Glaube und politisches Handeln. Er ist Bürgermeister aller Florentiner und nicht nur der Katholiken wie er in seinem Buch "Raus - Politik mit offenem Visier" beschreibt.
Das Interview hat ein paar Längen, aber belegt einmal mehr die Kohärenz in Renzi's politischen Auffassungen. Ich habe schon einige Male gedacht, er sei aus dem Rennen, aber Renzi kommt immer wieder. Die jetzige Regierung muss das Vertrauensvotum nächste Woche bestehen, sofort an die Arbeit gehen und Ergebnisse vorweisen. Wenn ich mir das Alter der Minister ansehen (die sind meisten um die 50 Jahre) dann scheint diese Regierung so etwas wie ein Nachhall vergangener Zeiten und gleichzeitig ein Signal für den Aufbruch zu sein. Ob das funktioniert? Wer Italienisch versteht, kann sich ja das Interview ansehen:

Renzi am 27.4.2013 bei "Il tempo che fa"


    

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